Vereinte Nationen rufen am 22. März zum Weltwasserstag auf: "Leaving no one behind"

Bergheim, den 14.03.2019:

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto "Leaving no one behind – water and sanitation for all" – "Niemand zurücklassen - Wasser und Sanitärversorgung für alle".

Die Weltwassertage sollen dazu genutzt werden, insbesondere die breite Öffentlichkeit auf diese globalen Zielsetzungen und ihre lokale Bedeutung sowie auf die Herausforderungen der Umsetzung dieser Ziele aufmerksam zu machen.

In direktem Zusammenhang damit steht der vom Bundesumweltministerium initiierte 1. Nationale Wasserdialog. Dieser hat zum Ziel, eine umfassende nationale Wasserstrategie zu erarbeiten, die den Schutz der Wasserressourcen langfristig garantiert und auf breitem gesellschaftlichen Dialog basiert. Der Nationale Wasserdialog ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt. In vier Clustern zu den Themen Vernetzte Infrastrukturen, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Risikofaktor Schadstoffe, Renaturierung und Naturschutz diskutieren je 40 Teilnehmer die wichtigen Zukunftsthemen der Wasserwirtschaft Deutschlands. Die agw ist in diesen Clustern mit mehreren Experten vertreten.

Nachhaltige Wasserwirtschaft bedeutet Verantwortung und kostenbewusstes Handeln. Die Erhaltung und Verbesserung des Wasserschatzes in einem der am dichtesten besiedelten Wirtschaftsräume Europas ist eine besondere Herausforderung für die Lebensgrundlage Wasser. Die Verbände der agw decken etwa die Hälfte der Fläche des Landes NRW ab und betreiben 300 Kläranlagen mit rund 19 Mio. Einwohnerwerten. Neben diesen betreiben sie noch 37 Talsperren und sind für die Betreuung von rund 17.700 km Fließgewässer verantwortlich.

Die hoheitliche Aufgabe der Errichtung und Vorhaltung von Infrastruktur zur Abwasserbeseitigung, Wasserversorgung sowie Pflege und die naturnahe Entwicklung der Gewässer bewirkte in der Vergangenheit generationsübergreifend maßgebliche Fortschritte nicht nur für die Gesundheit bzw. Lebenserwartung und Lebensqualität der Bevölkerung sondern auch für Tiere und Pflanzen in und am Gewässer. Sie ist gleichzeitig eine wesentliche Grundlage, um die Ziele von Wirtschaftswachstum und Entwicklung bzw. Erhalt einer intakten Umwelt miteinander in Einklang zu bringen. Dies gilt es zu erhalten und auszubauen.

Der Bau der Kläranlagen war in der Vergangenheit ein wichtiger Schritt, um einerseits die hygienischen Bedingungen für die Bürger zu verbessern und andererseits die Gewässer zu schützen. Durch die stetige Entwicklung der Technik in den Kläranlagen wurden immer bessere Reinigungsleistungen erzielt. Insbesondere durch diesen Ausbau hat sich die Wasserqualität der Gewässer deutlich verbessert. Dennoch sind der technischen Entwicklung auch Grenzen gesetzt. „End of pipe“ kann bei den derzeit diskutierten „neuen“ Gewässerverunreinigungen durch Mikroplastik, Spurenstoffe und Arzneimittelrückstände nicht die alleinige Lösung sein. Hier muss das Verursacherprinzip konsequent zur Anwendung kommen.

 

 

 

 

EU-Kommission veröffentlicht Strategie zum Umgang mit Arzneimitteln in der Umwelt

Bergheim, den 11.03.2019: 

Die EU-Kommission hat die Mitteilung „Strategischer Ansatz der Europäischen Union für Arzneimittel in der Umwelt“ veröffentlicht. Damit kommt sie mit deutlicher Verspätung der rechtlichen Verpflichtung des letzten Novellierungsprozesses der Liste der Prioritären Stoffe aus dem Jahr 2013 nach.

Ziel des Strategischen Ansatzes, so führt die EU-Kommission aus, ist:
• die Ermittlung von Maßnahmen, um den potenziellen Risiken von Arzneimittelrückständen in der Umwelt zu begegnen, nicht zuletzt als Beitrag zu den Maßnahmen der Union zur Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz
• die Förderung von Innovation, wo sie zur Bewältigung der Risiken beitragen kann, und die Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Vereinfachung des Recyclings von Rohstoffen wie Wasser, Klärschlamm und Dung
• sowie die Ermittlung verbleibender Wissenslücken und das Aufzeigen möglicher Lösungen, um sie zu schließen sowie die Gewährleistung, dass die Maßnahmen zur Risikobewältigung den Zugang zu einer sicheren und wirksamen Behandlung mit Arzneimitteln von Mensch und Tier nicht gefährden.

Die Kommission verweist im Zusammenhang mit Diskussionen um eine 4. Reinigungsstufe darauf, dass

„(…) Die Fähigkeit der Abwasserreinigung, Arzneimittelrückstände zu beseitigen, variiert je nach Substanz und Reinigungsstufe; in manchen Fällen werden erhebliche Mengen entfernt, in anderen nur ein kleiner Prozentsatz, jedoch sind derzeit selbst die besten und teuersten Reinigungsmethoden nicht zu 100 % wirksam.“

Die EU-Kommission hat tatsächlich einen ganzheitlichen Ansatz gewählt, das ist positiv hervorzuheben. Bei den verschiedenen Eintragspfaden (Kommunale KA, Gülle, Aquakulturen, Abwasser aus Produktionsanlagen, landwirtschaftliche Klärschlammverwertung, Weidevieh) werden Gärreste aus Biogasanlagen allerdings ausgeklammert. Wissenslücken existieren aus Sicht der EU bei der Überwachung von Arzneimitteln in der Umwelt,  die Überwachung von Hotspots (z.B. KKH) und bei der Kenntnis von Mischungstoxizitäten. Die Pharmaindustrie ist aufgerufen, die Informationen der erfolgten UVP zur Verbesserung einer zügigeren Ableitung geeigneter Risikomanagementmaßnahmen vollständig zur Verfügung zu stellen.
Konkrete Maßnahmen werden zu einem späteren Zeitpunkt von der neuen Kommission formuliert werden. Dazu führt das Dokument aus, dass die „Maßnahmen zum Zwecke ihrer Wirksamkeit und zur gleichmäßigen Verteilung der Anstrengungen nicht nur Kontrollen am Leitungsende (z. B. verbesserte Abwasserreinigung) beinhalten (sollen), sondern auch die ursprünglichen Emissionsquellen (z. B. Herstellung und Verwendung) anvisieren und sowohl die terrestrische als auch die aquatische Umwelt berücksichtigen (sollte).“

Für das weitere Vorgehen werden in der vorliegenden Mitteilung 6 Aktionsbereiche formuliert:
1. Verstärkte Aufklärung und Förderung einer umsichtigen Verwendung von Arzneimitteln
2. Unterstützung der Entwicklung von Arzneimitteln, die weniger schädlich für die Umwelt sind, und Förderung einer umweltfreundlicheren Herstellung
3. Verbesserung der Umweltverträglichkeitsprüfung und ihrer Überprüfung
4. Verringerung von Verschwendung und Verbesserung der Abfallbewirtschaftung
5. Ausweitung der Umweltüberwachung
6. Schließen weiterer Wissenslücken

Die vollständige Mitteilung der EU-Kommission können Sie hier einsehen.